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Deutsche Wirtschaftsspuren im Kurdistan-Irak

Sechs Jahre nach dem Sturz des Saddam-Regimes boomen im Kurdistan-Irak immer mehr Städte und Gebiete. - wie Erbil. Ausländische Unternehmen wittern gute Geschäfte. Die Deutschen halten sich noch zurück, aber das Interesse nimmt stetig zu.

"Das Land erlebt einen unglaublichen Aufschwung", schwärmt ein Vertreter der Münchner Firma MAPS Geosystems. Der Ingenieur pendelt seit drei Jahren nach Kurdistan, ein kurdischer Partner hält in Erbil und Suleimanija die Stellung. "Ohne Vertrauensmann vor Ort geht gar nichts", hat der Deutsche gelernt. Seine Firma ist auf die satelliten- und luftbildgestützte Erstellung von geografischen Karten spezialisiert; Basisarbeit für die rasant wachsenden Städte Kurdistans.

"Szenen wie im Wilden Westen" habe er auf Banken erlebt, wundert sich der bodenständige Mittelfranke. "Da wird im Schneidersitz auf Tischen schon mal ein meterhoher Berg Geldscheine sortiert" mangels Geldtransporter zur späteren Verladung auf Lkws. "Das Geld ist da, und es wird vor allem in den Aufbau von Infrastruktur gepumpt."

Bratwürste im Kurdistan-Irak

Ein Steinwürfe vom Flughafen entfernt hat Gunter Völker seinen Deutschen Hof in Ain Kawa. Zwei Häuser gehören dazu, umgeben von einem großen Garten. Es wird nicht mehr lange dauern, dann sind der christliche Vorort und die Stadt Erbil zusammengewachsen. Die Verbindungsstraße wird gerade neu geteert. Im Dezember 2005 hat der im thüringischen Tabarz geborene Deutsche seinen Komplex eingeweiht, in dem früher die Uno-Dependance war. Inzwischen bietet das Restaurant Platz für 65 Gäste und ist der Treffpunkt für deutsche Unternehmer im Kurdistan Irak.

Verrückte Karriere. Der Thüringer Gunter Völker betreibt das einzige deutsche Restaurant im Irak. Sein ?Deutscher Hof? befindet sich in den kurdischen Autonomiegebieten, in der von Terror weitestgehend verschonten noradirakischen Stadt Erbil. Das gastronomische Unternehmen wächst ? begehrt sind vor allem Bratwürste, Sauerkraut und deutsches Bier.

Drei Sorten deutsches Fassbier werden im Deutschen Hof ausgeschenkt, die per Lastwagen rund 2500 Kilometer aus Deutschland nach Erbil rollen. "Die Lieferungen in den Kurdistan-Irak sind für die Brauereien eher Prestige als Geschäft", sagt Bierverkäufer Friedbert Löschke. Man wolle Flagge zeigen und vor Ort sein, wenn "sich das hier weiterentwickelt".

Der deutsch-kurdische Handel nimmt zu, aber nur etwa 20 Firmen sind vor Ort vertreten - und das fast ausschließlich mit lokalen Mitarbeitern. Zu den Aktivposten in Erbil gehört der Lkw- und Busbauer MAN. An einer Ausfallstraße Richtung Kirkuk befinden sich die Werkstätten, in einer schicken Villa unweit des Deutschen Hofs in Ain Kawa die Administration. Lastwagen und Busse von MAN rollen seit Jahren auf allen Straßen des Landes. Nach dem Sturz Saddams zog MAN zuerst in das alte Stammhaus in Bagdad ein. Als der Terror begann und die Hauptstadt immer gefährlicher wurde, verlegte die Firma ihre Aktivitäten in den Norden. Nun wird von Erbil aus verkauft.

Doch es gibt noch mehr deutsche Wirtschaftsspuren im Kurdistan Irak: Druckmaschinen von Roland laufen im Aras-Druckhaus in Erbil, wo der kurdische Geschäftsführer Bedran Habeeb gerade dabei ist, neben Büchern und Zeitschriften auch eine Tageszeitung herauszugeben.

Deutsche Hof in Erbil

Deutsche Bratwurt
Reine Deutsche Bier