Der Konflikt um die Provinz Kirkuk spielt sich im Wesentlichen zwischen Föderalismusbefürwortern- und gegnern ab. Zu den stärksten Verfechtern des irakischen Föderalismuskonzeptes gehören zweifelsohne die irakischen Kurden.
Schon jetzt droht der Konflikt zwischen der erstarkenden Zentralregierung und der kurdischen Autonomieverwaltung über die Verwaltungshoheit der ölreichen Stadt Kirkuk militärisch zu eskalieren.
Kirkuk ist in westliche Medien nur wenig präsent. Manchmal taucht eine Schlagzeile auf - meist immer dann, wenn es einen erneuten Selbstmordanschlag in der nordirakischen Provinz gegeben hat. Dass die Provinz Kirkuk zu den umstrittensten Gebieten im Irak gehört, hat nicht zuletzt mit den Ölreserven zu tun, die es hier gibt. Die Ölfelder in Kirkuk sind nach denen in Rumayleh im irakischen Süden die zweitgrößten Ölfelder im Irak. Kirkuk ist da einfach "the price to gain". Zumal die Zugehörigkeit von Kirkuk seit dem Sturz Saddam Husseins neu verhandelt wird. Die irakische Verfassung sieht zum Beispiel ein Referendum vor, das über den Verbleib von Kirkuk entscheiden soll.
Abseits von diesem Konflikt ums Öl gibt es in der gleichnamigen Hauptstadt der Provinz einen Konflikt um ganz konkrete Regierungsrechte. Bestehende Machtverhältnisse werden angesichts der Arabisierungspolitik Saddam Husseins heute in Frage gestellt. Die Kurden fordern eine Änderung des status quo, wobei es ihnen vor allen Dingen um eine Revision der Arabisierungsmaßnahmen geht, die in den 60er Jahren von Saddam Hussein forciert worden waren, um die Hauptstadt der ölreichen Provinz wieder stärker in den irakischen Zentralstaat zu integrieren.
Auf einen Anschluss Kirkuks an die kurdische Region mussten die Kurden aber bis heute verzichten. Angesichts der anders gelagerten Interessen im Irak und in der Region vertröstete man die Kurden auf einen späteren Zeitpunkt. Die Föderalismusgegner, allen voran die arabischen Sunniten unter der Führung des irakischen Premierministers Nuri al Maliki, wittern in der kurdischen Annexion Kirkuks eine Gefahr für den irakischen Staat. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie wissen, dass die irakische Regierung auf die Öleinnahmen aus Kirkuk angewiesen ist.
Dass die arabischen Sunniten zu den schärfsten Gegnern einer starken Dezentralisierung im Irak gehören, hängt auch damit zusammen, dass sie sich von den Folgen einer solchen Föderalisierung besonders betroffen sehen. Dazu muss man wissen, dass sie im Zentrum des Landes auf einem landwirtschaftlich kaum nutzbaren Gebiet leben, in dem es zudem so gut wie keine explorierten Rohstoffe gibt. Sollte sich im Norden eine große kurdische und im Süden eine große arabisch-schiitische Region herausbilden, bestünde für die arabischen Sunniten deshalb die Gefahr, auf diesem öden Gebiet sitzen zu bleiben und vom Wohlstand der anderen Regionen ausgeschlossen zu werden.
Die Diskrite von At-Tamim
At-Ta'mīm ist ein irakisches Gouvernement mit einer Fläche von 10.282 km² und einer Bevölkerung von 1,500 Millionen (2008). Die absolute Bevölkerungsmehrheit stellen Kurden, seit 2003 haben etwa 100.000 Araber das Gouvernement verlassen, während in etwa 300.000 kurdische Flüchtlinge zurückgekehrt sind.. Daneben gibt es aber noch Araber, Turkmenen und Aramäer. Die Hauptstadt ist Kirkuk. Nach der US-Invasion ist ein Teil inoffiziell unter Kontrolle der Kurden.
m Zuge der Arabisierungspolitik des Baathregimes verlor das Gouvernement einen erheblichen Teil ihrer Fläche. So wurden einige Landkreise anderen Provinzen zugeschlagen. Tuz Hurmatu kam zu Salah ad-Din und Dschamdschamāl zu As-Sulaimaniyya. Der ehemalige Name des Gouvernements war Kirkuk und wurde im Jahr 1972 in den arabischen Namen at-Ta′mim geändert. Im Zuge der Rücknahme dieser Arabisierung soll die Provinz ehemals zugehörige Distrikte wiedererhalten. Diese da wären Kifri, Dschamdschamāl, Tuz Hurmatu und Kalar.
Am 15. Oktober 2005 stimmten von 542.688 Wähler 62,91 % mit Ja für die neue Verfassung. Derzeitiger Gouverneur der Provinz ist der Kurde Abdul Rahman Mustafa.
Seit Dezember 2008 sind neben Arabisch und Kurdisch nun auch Turkomanisch und Assyrisch Amtssprachen des Gouvernements.