Territoriale Streitigkeiten zwischen Zentralregierung und Regional Regierung Kurdistan - in den Provinzen Ninive, Kirkuk und Diyala - jetzt eine ernste Gefahr.
Während sich die Sicherheitslage verbessert, nehmen politische Risiken zu. Denn Bagdad und Erbil streiten heftig über die Kontrolle des Öls. "Die irakische Verfassung von 2005 gibt Kurdistan das Recht, Verträge über die Entwicklung seiner Felder abzuschließen", beruhigt Minister Hawrami. In Bagdad sieht man das allerdings anders: Dort werden alle kurdischen Verträge, die nach 2007 abgeschlossen wurden, als illegal eingestuft. Wer in Kurdistan nach Öl bohrt, kommt auf eine schwarze Liste - und wird von allen Ölgeschäften ausgeschlossen.
Das kurdische Öl wird zwar von der Zentralregierung in Bagdad vermarktet und die Einnahmen in einen nationalen Ölfonds eingezahlt, aus dem Kurdistan 17 Prozent zurückerhält. Doch während der Irak den ausländischen Konzernen immer noch die Lizenzen verweigert, sind westliche Ölförderer in Kurdistan willkommen. Auf ein gemeinsames nationales Ölgesetz können sich die vielen Fraktionen in Bagdad seit zwei Jahren aber nicht einigen. Bisher weiß auch niemand, wer die Konzerne in Kurdistan für die geleistete Arbeit bezahlen soll.
Für die Kurden steht mehr als nur Öl auf dem Spiel. Es geht um das Recht der Kurden auf diesen gebieten und die Wiederherstellung vom Recht, nachdem soviel Unrecht, darunter Vertreibungen, gegen sie gemacht wurde.
Die Zentralregierung in Bagdad befürchtet, dass das Erdöl Kurdistan die Grundlage für die Eigenständigkeit bieten könne, nach der die Region seit Jahrzehnten strebt. Unvergessen ist den meisten Kurden die Verfolgung durch Saddam Hussein, die in dem Giftgasangriff auf den Ort Halabdscha gipfelte. Damals, 1988, 5000 Kurden umgebracht worden. Auch der Anfal mit ca. 180 tausend Toten. "Wir haben von Bagdad nichts Gutes erfahren", sagt Massud Abdkhaliq, Politologe und Chefredakteur der Zeitung 'Standard'. "Saddam hat Tausende Kurden vertrieben und unser Land gestohlen. Mit den Öleinnahmen aus dem kurdischen Kirkuk-Feld hat er den Krieg gegen uns finanziert. Das darf sich nicht wiederholen."
Die neuen Funde steigern das Selbstbewusstsein der irakischen Kurden. Politiker wie der Parlamentsabgeordnete Naznaz Mohammed fordern bereits die vollständige Unabhängigkeit. Vor einige Zeit hat das Parlament einen Verfassungsentwurf vorgelegt, in dem es den territorialen Anspruch auf die kurdischen Gebiete jenseits der heutigen Autonomiegrenze, darunter die ölreiche Stadt Kirkuk, erhebt. Der Entwurf sorgt in Bagdad für Entrüstung. "Beide Seiten müssen kühlen Kopf bewahren", sagt Siwaily. "Kein Nachbar will ein unabhängiges Kurdistan - weder Türken, Iraner noch Syrer. Nur im Verbund mit dem Irak kann Kurdistan erblühen."