Der iranische Staat hat gegenüber den Kurden eine Politik der Unterdrückung, ähnlich der des türkischen Regimes, angewendet. Als nach dem 2. Weltkrieg der Iran vom Norden her von der Sowjetunion und von Süden her von England besetzt wurde, konnten die Kurden jedoch zeitweilige Erfolge für sich verbuchen. Es wurde die Demokratische Partei Kurdistans (Iran) gegründet und in einem Befreiungskampf anschließend die Kurdische Republik Mahabad proklamiert. Diese bislang einzige autonome Republik der Kurden, die mit Unterstützung der Sowjetunion in den 40er Jahren im kurdisch-iranischen Mahabad ausgerufen worden war, wird bis heute in allen Teilen Kurdistans als Modell kurdischer Selbstverwaltung gepriesen.
Aber sie nahm bereits nach ca. einem Jahr (1947) ein gewaltsames Ende, nachdem sie durch den Abzug der sowjetischen Truppen aus Azerbeidschan ihre Schutzmacht verloren hatte. Als der Krieg zu Ende war, gelang der Regierung in Teheran, auch mit politischer Unterstützung Englands und der USA, die Republik Mahabad aus der Welt zu schaffen. Der Widerstand des kurdischen Volkes hat aber nicht aufgehört. In der Folgezeit gab es immer wieder regionale Aufstände, gefolgt von Deportationen und der Vernichtung ganzer Stämme.
Ajatollah Khomeini machte den Kurden vor dem Sturz des Schahregimes große Versprechungen. Trotz des gemeinsamen Kampfes für einen neuen Iran hat sich die Lage der Kurden aber nach der iranischen Revolution von 1979 nicht verbessert. Der aus diesem Grund nach 1979 begonnene bewaffnete Widerstand dauert bis heute an, denn das jetzige Regime geht mit aller Härte gegen die Kurden vor. Hunderte von Kurden wurden im Iran ohne ein Gerichtsverfahren hingerichtet.
Anfang der 80er Jahre und während des gesamten Irak-Iran Krieges 1980-1988 sind bei Angriffen der iranischen Armee und bei militärischen Auseinandersetzungen mehrere zehntausend Kurden getötet worden. Bei der Verfolgung der Kurden und der Iranisierungspolitik spielt sicherlich auch der Umstand eine Rolle, dass die Mehrzahl der Kurden im Iran nicht Schiiten sind, sondern mehrheitlich zum sunnitischen Zweig des Islam gehören.
Das Mullahregime verfolgte indessen die Kurden auch im Ausland.
So verübten iranische Geheimdienste mehrere Attentate in Europa. 1989 wurde z. B. der Generalsekretär der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP-Iran), Ghassemlou, in Wien ermordet und im September 1992 fiel auch sein Nachfolger Scharafkandi sowie drei weitere führende iranisch-kurdische Oppositionspolitiker einem Anschlag im Berliner Lokal ?Mykonos? zum Opfer. In diesem Fall ging es nicht nur um gemeinen Mord, sondern um ein politisches Verbrechen - angeordnet von der iranischen Staatsspitze. Der Iran hat in Europa schon viele Morde auf dem Gewissen.
Dieses Mal wurde der politische Mordauftrag erstmals zur gerichtsverwertbaren Tatsache. Im sogen. ?Mykonos-Prozess? von 1996 bestanden gerichtlich nicht die geringsten Zweifel, dass das Attentat von der Islamischen Republik Iran, und zwar von den führenden Männern des Staates beschlossen, geplant und vorbereitet worden ist. Heute erhoffen sich die Kurden im Iran mehr denn je, dass die internationale Gemeinschaft den Druck auf das Regime in Teheran erhöht, nicht nur wegen des Atomwaffenprogramms, sondern auch um die Verfolgung der Kurden und anderer Volksgruppen und Religionsgemeinschaften zu beenden.
Im Schatten der Kämpfe zwischen der PKK und der Türkei schwelt in unmittelbarer Nähe ein zweiter, ebenso explosiver Konflikt - an der iranisch-irakischen Grenze.
Nicht nur die Türkei, auch Iran hat einen Kurdenkonflikt. Doch der spielt sich fernab der internationalen Aufmerksamkeit ab. Werden die Medien derzeit doch beherrscht von der Eskalation an der türkisch-irakischen Grenze und der damit verbundenen Kriegsrhetorik und den beinahe panischen Vermittlungsversuchen der USA. Ungefährlich aber ist der Konflikt in Iran deshalb nicht. Schlimmer noch: Er birgt mindestens ebenso viel explosives Potenzial wie jener im Nachbarland Türkei.
Auch die Muster ähneln sich: Kurdische Guerilla-Kämpfer überqueren regelmäßig die Grenze, überfallen und töten iranische Soldaten, bevor sie sich wieder in ihre Verstecke zurückziehen, hoch oben in den Bergen der autonomen Kurdenregion im Nordirak.
Nach Demonstrationen und Tumulten in mehreren grösseren Städten im Westen Irans sind laut kurdischen Quellen Mitte dieser Woche über 100 Personen festgenommen worden. Betroffen von den Unruhen sind laut diesen Quellen die Städte Mahabad, Piranshar, Bukan, Sardasht und Sanandaj, in denen am Dienstag Tausende einheimische Kurden auf die Strassen strömten, um die Unterzeichnung der neuen irakischen Übergangsverfassung zu feiern. Für die Kurden, die im Irak und in Iran, in Syrien und in der Türkei leben, verkörpert diese Verfassung die Verwirklichung einer nationalen Aspiration. Sie garantiert nämlich den Kurden des Nordiraks weitgehende Autonomie und anerkennt erstmals in der Region eine föderale Staatsform. Kurdisch wird zudem neben dem Arabischen zur zweiten offiziellen Sprache des Staates. Für die rund sechs Millionen Kurden in der Islamischen Republik symbolisiert die neue irakische Verfassung, die trotz dem Widerstand gewichtiger schiitischer Vertreter in Kraft gesetzt wurde, wohl einen Sieg über die Schiiten schlechthin.